Montag, 26. März 2018

[Rezi] Tamara Bach - Mausmeer

Klappentext
Nur dieses eine Wochenende. Nur noch einmal in Opas altes Haus am Arsch der Welt, hier war alles immer gut. Nur das will Ben, der gerade achtzehn geworden ist und irgendwie festhängt – in der Schule, in der Familie, im Leben. Ein paar Tage raus aus allem. Zusammen mit Annika, der großen Schwester, die doch immer die Vernünftigere war. Einen Spaziergang, ein Osterfeuer und einen umgefallenen Tisch und die Folgen später sieht nicht mehr alles so aus wie vorher.


Zitat
"Nachrichten im Radio. Es ist Krieg, es ist immer Krieg, es sind Menschen zusammengekommen, um über den Krieg zu reden, es sind Menschen zusammengekommen, um zwischen den Beteiligten zu vermitteln. Woanders ist einer wahnsinnig geworden und hat Menschen, die er nicht mal kannte, umgebracht und verletzt, bis die Polizei ihn erschoss. Dann noch, dass Ostern ist. Karfreitag. Und das Wetter für das kommende Wochenende: schlechte Temperaturen und schlechter Niederschlag. Frohe Ostern. Es ist acht Uhr und vier Minuten." - Seite 49.

Meine Meinung
Ich bin auf "Mausmeer" durch den gemeinsamen Bloggerempfang von Carlsen und Thienemann-Eslinger auf der Leipziger Buchmesse 2018 aufmerksam geworden. Zuvor hatte ich von dem Buch noch gar nichts gehört, jedoch stellte Tamara Bach dort ihr Buch vor und machte mich spontan neugierig.

"Mausmeer" ist anders. Wer ein klassisches Jugendbuch erwartet oder etwas, dass sich mal so zwischendurch lesen lässt, wird enttäuscht werden. Tamara Bach schreibt größtenteils im Stream of Consciousness, zu deutsch Bewusstseinsstrom. Hierbei wird man förmlich zum Protagonisten und liest seine oder ihre Gedanken. Ich empfand es als erfrischend mal eine andere Erzähltechnik im Jugendbuch zu erfahren und finde es gut, dass Carlsen seinem jungen Publikum auch mehr als die Ich-Perspektive zutraut.

Durch die Erzählung als Bewusstseinsstrom entfallen sämtliche unwichtige Beschreibungen von Dingen und man ist näher an Annika und Benedikt. Man wird förmlich sie beim Lesen. Zugleich entstehen witzige Situationen aus der Form heraus. Wer kennt es nicht, dass die Gedanken abdriften und man sich an vollkommen unwichtige Dinge erinnert. So auch hier. Wusstet ihr zum Beispiel, dass, wie so gut wie alles in Deutschland, die Geschwindigkeit von Rolltreppen genormt ist? Ich vorher nicht.

Sehr gut gefallen hat mir, dass dieser Coming-of-Age Roman endlich mal ohne eine Liebesgeschichte auskam, sondern sich mit der Beziehung zwischen unterschiedlich alten Geschwistern beschäftigt. Zugleich zeigt es den inneren Konflikt, welchen wir wohl alle immer wieder austragen, zwischen den Erwartungshaltungen anderer und dem was wir uns für unser Leben wünschen.

Was mich allerdings etwas irritierte, war das manchmal sich die Protagonisten in ihren Gedanken in der dritten Form betrachteten und dabei Formen wie "Brüderchen" und "Schwesterchen" nutzten. Mich warf dies jedes Mal etwas aus dem Lesefluss. Ich vermute zwar, dass diese Erzähltechnik eine innere Distanz und Abwehr gegen die Situation symbolisieren soll, aber hoffe, dass die Autorin dies in kommenden Büchern anders löst. Gleiches gilt für die unpersönliche Form "Die Eltern" statt "meine/unsere Eltern", allerdings wirkte hier der Effekt der distanzierten Beziehung besser als bei "Brüderchen" und "Schwesterchen".
  
Fazit
"Mausmeer" von Tamara Bach regt zum Nachdenken an und hinterlässt einen bittersüßen Nachgeschmack.
Ich kann diesen Roman ohne Bedenken jedem zwischen 16 und 25 empfehlen.

Wertung

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Einen herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Kommentare :

  1. Guten Morgen Sarah,
    ich bin auch über den Bloggermepfang auf der LBM auf das Buch aufmerksam geworden, muss allerdings gestehen, dass ich es noch immer nicht zuende gelesen habe. Mich schreckt der Schreibstil mit den kurzen, teils abgehakten Sätzen sehr ab. Ich bekomme überhaupt keine Nähe zu den Protagonisten, ganz anders, als es dir ergangen ist.
    Mal schauen, ob ich dem Buch irgendwann nochmal eine Chance gebe.
    LG
    Yvonne
    #litnetzwerk

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    Antworten
    1. Hallo Yvonne,

      ja der Schreibstil ist wirklich etwas ungewöhnlich. Aber mir gefiel mal etwas anderes zu lesen als zahllose Beschreibungen, die eigentlich nichts zur Sache tun. So konnte ich mich viel eher auf die Protagonisten einlassen, da nichts meine Vorstellungen von ihnen beinträchtigte.
      Aber es ist auch nicht schlimm, wenn es dir nicht gefällt. Bücher sind eben sehr subjektiv.

      Liebe Grüße,
      Sarah

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