Sonntag, 3. Juni 2018

[Diskussion] 6 Klischees über Bücherwürmer, die ich nicht erfülle (und auch nicht erfüllen will)

Hallo ihr Lieben,
neulich saß ich im Zug und stöberte wie so oft durch instagram und Facebook. Dabei fiel mir, als ich so durch die Gruppen und Fotos scrollte, auf, dass ich vielen Klischees über uns Bücherwürmer so gar nicht entspreche und auch nicht entsprechen will. Jetzt frage ich mich doch ein wenig, ob ich einfach die Ausnahme von der Regel bin oder ob es noch viel mehr Leuten dort draußen so geht, die diesen Klischees so gar nicht entsprechen. 
Liebe zur kleinen lokalen Buchhandlung
Fangen wir doch gleich mit einem großen Schocker an, der mir sicherlich auch einiges an Kritik einbringen wird. Ich teile nicht die Liebe zur kleinen lokalen Buchhandlung. Vielleicht liegt es daran, dass ich eher ländlich lebe und es in der nächsten Stadt auch seit einiger Zeit nur noch die große Buchhandelkette mit dem Namen einer griechischen Muse gibt. Auch in meinem Auslandssemester in England habe ich hauptsächlich Filialen der Ketten W&S Smith und Waterstones gesehen. Ich streite nicht ab, dass es schöne unabhängige Buchläden gibt, aber bisher sie sind für mich nichts, was ich auf Biegen und Brechen unterstützen müsste. Die unabhängigen Buchläden, die ich kenne, setzen wie die Ketten hauptsächlich auf große Bestseller und heben sich leider gar nicht von ihnen ab. Nur selten bekam ich hier mal Geheimtipps oder sah Bücher, die ich noch nicht kannte. Geheimtipps habe ich aber auch schon von den Mitarbeitern der großen Ketten bekommen. 
Während ich gerne mal in einer Buchhandlung gehe, ist es für mich auch kein Pflichtbesuch bei einem Stadtbummel. Durch die Buchpreisbindung kostet es schließlich sowieso überall gleich viel. Dies mag der eine als Vorteil sehen, für mich macht es Buchläden eher semiinteressant. Dann kann ich ebenso online bestellen und es mir direkt vor die Haustür liefern lassen statt es mit mir herumzuschleppen. Vor allem da ich in letzter Zeit vermehrt auf Englisch lese, ist das Internet für mich die bessere Alternative. Hier finde ich das Buch in allen Varianten, die ich mir wünsche, und auch zu akzeptablen Preisen. Denn nein, liebe Ketten mit T und H, ich zahle für ein Taschenbuch im Laden sicherlich nicht 11 oder 12€. Interessanterweise kann zumindest erstere Kette oftmals die gleichen Bücher online billiger anbieten und wenn es dann noch -xx% Aktionen gibt, spart man sogar noch mehr. Der kleine lokale Buchhandel kann hier aus verständlichen Gründen natürlich nicht mithalten, denn selbst wenn er es für mich bestellt oder es in ihrem Onlineship verfügbar ist, ist es für mich immer noch teurer.
Insgesamt sehe ich den Buchhandel nicht als besonders schützenswert an, sondern als weitere Branche in der Marktwirtschaft, in der man entweder es schafft seine Kunden zu binden oder nicht. Die Schuld hier alleine bei amazon und den größeren Ketten zu suchen, ist für mich nur die Verdrängung der Tatsache, dass man nicht mit der Zeit gehen und sich individualisieren möchte.

Der Geruch von Büchern

Als ich das erste Mal davon hörte, war ich gänzlich verwirrt. Es gibt tatsächlich Menschen, die diesen Geruch mögen? Es sind sogar anscheinend sehr viele. Ich persönlich mag ihn gar nicht. Klar, ein neues Buch riecht besser als ein Buch voller Zigarettenqualm, aber nicht viel besser. Der Geruch hat für mich immer etwas leicht muffiges. Würde jemand so ein Parfüm tragen, würde ich eher vermuten, dass er länger in einem feuchten Keller war.

Nicht ohne was zu lesen rausgehen
Ja, darüber muss ich ganz laut lachen. Wer mich länger verfolgt, weiß, dass ich immer mit dem Zug nach Hannover zur Uni pendeln muss. Wenn ich dran denke, dann nehme ich den tolino mit, ob ich ihn dann auch nutze, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein richtiges Print mit mir rumzuschleppen, fände allein meine Schulter schon nicht lustig, außerdem würde es gar nicht mehr in meine Unitasche passen. Auch sonst stöbere ich auf der einstündigen Zugfahrt doch lieber auf Facebook rum und lese die neusten News bei Welt, Spiegel und The Guardian oder stöbere durch verschiedene Gruppen. Oftmals mache ich auch was für die Uni in der Zeit. Lesen allerdings kommt eher selten vor. Vielleicht 4-5x pro Monat und dann auch nur wenn ich gleichzeitig Musik höre, da mich Gespräche um mich herum zu viel ablenken.
Aber auch sonst muss ich nicht andauernd ein Buch lesen. Es kann manchmal ein Monat vergehen, in dem ich kein einziges Buch angerührt habe. Skandalös als Buchblogger, ich weiß.

Teejunkie
Wenn ich instagram durchscrolle, dann werde ich garantiert ein Bild mit einem Buch und einer Teetasse finden. Im Winter ist es wahrscheinlich sogar jedes zweite oder dritte Bild. Auch in vielen Buchtauschgruppen wurden früher immer Teebeutel beigelegt. Ich fand das sehr nett, habe meine aber dann immer weitergeschickt, denn ich mag Tee einfach nicht. Egal, wie ich ihn zubereite, es schmeckt für mich immer nur nach warmen Wasser, leicht bitter oder wie Parfüm. Keine Sorge, dass ist kein Stimmungmache eines Kaffeetrinkers, denn den mag ich auch nicht. Das Höchste der Gefühle ist ein "Iced Frappe Coffee Choc" vom Restaurant zur goldenen Möwe; also sehr viel Milch mit Schokosoße und einem Hauch Kaffee. Und selbst das ist mir eigentlich schon zu kaffeelastig. Ich kauf ihn auch nur, wenn ich eine Nacht nicht geschlafen habe, aber dennoch zur Uni muss. Dadurch dass ich eben nicht regelmäßig Kaffee trinke, wirkt Coffein bei mir schon in kleinsten Dosen stark aufputschend.
Sollte man auf meinem instagram Account mal eine Teetasse finden, befindet sich dort drin entweder heiße Schokolade oder Krümmeltee, der ja nun alles außer Tee ist.

Das Buch vor dem Film oder Serie lesen 
Wenn ich immer vorher das Buch lesen würde, würde ich ja nie dazu kommen, jemals mir einen Film, geschweige denn eine Serie anzusehen. Bei Filmen kann ich es ja noch irgendwie nachvollziehen, da hier das Grundmaterial meist weniger verändert sondern eher gekürzt wird für die Adaption. Bei Serien jedoch dienen die meisten Serien nur als Grundidee und die Story entwickelt sich dann ganz anders als in den Büchern. Gute Beispiele hierfür sind vor allem Serien, die sich an ein jüngeres Publikum richten. Während sich zum Beispiel "Shadowhunters"* noch grob an die Ereignisse in den Büchern hält oder sie wenigstens als Vorlage nutzt und dann anpasst, um sie besser in die TV-Story einzubinden, hat "The Vampire Diaries"* abgesehen von den Namen und dem gröbsten der Vampirmythologie fast gar nichts mehr mit den "Tagebüchern eines Vampirs"* gemein. Auch "The 100"* bedient sich hauptsächlich am Grundprinzip, dass die angeblich letzten Menschen im All überlebt haben und jetzt hundert kriminelle Jugendlich als Versuchskaninchen auf die Erde schickt, statt sie direkt hinzurichten. Wo wir übrigens schon bei dem Thema sind...

Das Buch ist immer besser als der Film oder die Serie
Nein, einfach nein. Wie schon gesagt, oftmals sind Serien so unterschiedlich vom Buch, dass sie sich gar nicht miteinander vergleichen lassen. Und dennoch liebe ich diese Serien oftmals. Erkunden sie doch zugleich, was man aus dem Grundmaterial noch alles herauskitzeln hätte können. Für diese Aussage werde ich sicherlich gesteinigt, aber "Shadowhunters"* ist für mich trotz miserabler Schauspielkünste besonders in Staffel 1 um Längen besser als die Buchvorlage "City of Bones"* und all seine Nachfolger. Die Buchreihe habe ich nach Band 1 abgebrochen, weil mir Clary nur noch nervte, ich nicht mehr hören konnte, wie heiß Jace doch ist und die Nebencharaktere eher blass wirkten. Tja die Serie wiederrum konnte mich um ihren kleinen Finger wickeln. Anfangs habe ich sie eher auf einer Metaebene gesehen, um mich an den eher unterirdischen Schauspielkünsten zu amüsieren. Doch je mehr ich die Serie schaute, desto mehr musste ich wissen, wie es denn nun weitergeht.
Auch bei "The 100"* müsste ich mal weiterlesen. Band 1 fand ich ganz gut, aber nicht so, dass ich unbedingt sofort den nächsten Band vorbestellen müsste. Die Serie hingegen habe ich bis zum damaligen aktuellen US-Stand innerhalb einer Woche durchgesuchtet und fiebere ich jetzt gerade bei Staffel 5 immer noch mit wie am ersten Tag.
Doch nicht nur bei Serien geht es mir so. "Die Frau der Zeitreisenden", eine meine ersten Rezensionen überhaupt, empfand ich als unterirdisch schlecht, den Film jedoch liebe ich heute noch.
In meinen Augen ist diese Fixiertheit darauf, dass das Buch immer besser ist, eher eine Abwehrhaltung und die Ablehnung sich auf Änderungen und eventuell andere Interpretationen als der eigenen einzulassen.
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So genug Öl ins Feuer gegossen für heute. Jetzt interessiert mich, welchen Bücherwurmklischees ihr so gar nicht entsprecht und vielleicht auch gar nicht entsprechen wollt. Hinterlasst mir doch ein Kommentar dazu oder, falls ihr ebenfalls Blogger seid und bereits einen ähnlichen Beitrag verfasst habt, den Link dazu. 

Kommentare :

  1. Guten Morgen!

    Hihi, ja es gibt schon viele Klischees und "Vorurteile" über uns Bücherwürmer :D Du hast noch die Katzen vergessen, Büchermenschen haben immer auch Katzen *lach*

    Aber ich kann mich da auch nicht allem anschließen...

    Kleine Buchläden - ja würde ich gerne besuchen, und ich finde es schade, dass sie immer mehr verschwinden: ABER in meiner Nähe gibts einfach keinen. Wir haben einen Hugendubel gleich ums Eck und der ist mittlerweile auch sehr geschrumpft. Was heißt, ich finde dort auch eigentlich nie etwas außer dem, was man eh überall sieht. Ich kann also dorthin laufen und dort bestellen oder gleich von zuhause aus ^^

    Den Buchgeruch von einem neuen Buch, doch, den mag ich. Der riecht auch nicht nach Keller O.O Das passiert mir höchstens wenn ich ein gebrauchtes Buch tausche oder kaufe :)

    Ich hab auch immer ein Buch dabei wenn ich rausgehe, bzw. wenn ich weiß, dass ich unterwegs Lesezeit habe. Egal ob Print oder kindle.

    Beim Tee, da kann man auch Kaffee nehmen, ich denke, eins von beiden trinkt jeder, deshalb hat das wahrscheinlich nix speziell mit Buchmenschen zu tun.

    Ein Buch vor der Serie oder dem Film lesen: ja das mach ich. Ich mag das einfach lieber. Im Film ist ja alles verkürzt und ich mag lieber vorher schon die Hintergründe wissen und nicht andersherum.
    Allerdings gibt es doch viele Filme, die ich besser finde als das Buch :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallöchen Aleshanee,

      an Katzen hatte ich gar nicht gedacht gehabt, aber denen stehe ich inzwischen neutral gegenüber.
      Da ich weder Kaffee noch Tee mag, bin ich vielleicht auch einfach so bereits eine Ausnahme von der Regel in der Gesellschaft. Mir viel nur auf, wie oft ich besonders Tee auf Bücherbildern bei instagram sehe.
      Bei Filmen ist es auch wahrscheinlicher, dass ich vorher das Buch lese, aber ich muss es nicht unbedingt. Bei Serien, wie gesagt, käme ich dann gar nicht mehr dazu diese jemals zu schauen.

      Liebe Grüße
      Sarah

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    2. Guten Morgen Sarah,

      ich hab deinen Beitrag heute in meiner Stöberrunde verlinkt ;)

      Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Zwei der Klischees erfülle ich schon. Ich liebe Tee und ich kaufe vorzugsweise lokal ein (Jedoch keine Bücher, die beziehe ich aus der Bücherei!). Jedoch erfülle ich auch ganz wenige der sonst üblichen Klischees. Ich hasse Katzen, kaufe wie gesagt selten Bücher, kann gut und gern an jedem Buchladen vorbei und so weiter. Und das, obwohl ich sogar meine Brötchen mit Büchern verdiene :D

    Liebe Grüße,
    Lisa von bucheulchen.de

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    1. Hallöchen Lisa,

      ich bin immer zu faul für die Bibliothek und dabei habe ich letztes Jahr sogar ein Praktikum dort gemacht und viele tolle Bücher gesehen, aber mein Leseverhalten ist so unvorhersehbar, dass ich manchmal ein Buch innerhalb eines Tages lese und manchmal brauche ich 1-2 Monate.
      Zu Katzen stehe ich inzwischen relativ neutral.
      Ich müsste, wenn ich laufe, täglich an einem Hugendubel vorbei. Joa, ich war jetzt schon locker ein halbes Jahr nicht mehr drin. Irgendwie reizt mich dort nichts.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  3. Huhu! :)

    Da hast du mich mit der ein oder anderen Antwort doch schocken können. *grins* Eine super Idee finde ich, einen solchen Beitrag zu verfassen. Selbst muss ich sagen, dass ich als ich noch mit dem Zug gependelt bin tatsächlich sehr viel gelesen habe. ich furh allerdings auch zwei Stunden am Stück, da zahlt es sich auch wirklich aus zum Buch zu greifen finde ich. Prints hatte ich allerdings keine dabei, denn mein Reader ist mir zum Rumfahren viel lieber! Lachen musste ich bei deiner Tee Theorie. ;) Da liegst du gar nicht so falsch und ich erfülle dieses Klischee auch, denn ich liebe sowohl Tee als auch Kaffee. Beim letzten Punkt kann ich dir wieder zustimmen: Ich habe durchaus auch schon Serien und Buchverfilmungen gesehen, welche das Buch um Längen schlagen konnten!

    Liebste Grüße
    Nina von BookBlossom

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    1. Hallöchen Nina,

      schön, dass man Menschen noch schocken kann :D
      Ich fahre immer eine Stunde am Stück, aber insgesamt halt 2 pro Tag. Die Hälfte der Strecke ist der Zug aber noch relativ voll, weswegen ich dann erst Musik anmachen muss bevor ich lese und dann meist bleibe ich bei facebook hängen.

      Liebe Grüße
      Sarah

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  4. Bei einigem geht es mir genauso. Ich muss ehrlich sagen, dass kleine Buchhandlungen nicht besonders mag, genauso allerdings wie alle anderen kleinen Läden. Ich hasse es, wenn ich einen Laden betrete und direkt die volle Aufmerksamkeit des Verkäufers habe und womöglich auch noch angesprochen werde und noch unangenehmer finde ich es, dann ohne etwas gekauft zu haben wieder zu gehen. Ist wahrscheinlich eine Eigenheit von mir, aber darum gehe ich lieber in große Geschäfte, wo niemand auf einen achtet. Völlig davon abgesehen, dass bei einem kleinen Laden einfach die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass es das was man möchte gar nicht gibt.
    Den Geruch von Büchern mag ich auch nicht und Tee trinke ich nur selten. Ein Buch habe ich allerdings doch immer dabei, wenn ich weiß dass ich Zeit zum Lesen haben werde. In der Bahn ist das meine Hauptbeschäftigung und ich liebe es. Das klappt aber auch nur dann, wenn sich nicht direkt neben mir jemand unterhält. So habe ich aber das Gefühl, die Zeit sinnvoll zu nutzen, pendeln kommt mir sonst immer vor wie eine Zeitverschwendung.
    Bücher und ihre Verfilmungen sind oft wirklich so unterschiedlich dass man sie kaum noch vergleichen kann und da würde ich dann auch nicht immer das Buch über den Film stellen. Vampire Diaries habe ich z.B. früher auch super gern geschaut und die Bücher fand ich schrecklich.

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    1. Hallo Jacquy,

      oh ja, das mit dem angesprochen werden und ohne was zu kaufen wieder zu gehen, ist für mich auch so ein Moment des Grauens. Inzwischen komme ich damit besser klar, aber früher war das der Horror.
      Die ersten 3-4 Bücher von Tagebuch eines Vampirs fand ich sogar ganz gut damals, aber danach wurde mir das einfach zu bekloppt. Es soll ja dann auch angeblich nicht mehr Lisa J. Smith geschrieben haben, sondern ein Ghostwriter. In wie weit das stimmt, mag ich jetzt nicht beurteilen, aber möglich wäre es schon.

      Liebe Grüße
      Sarah

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