Mittwoch, 15. August 2018

[Rezi] Christina Dalcher - VOX

Klappentext
In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.

   
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Zitat
"Ich habe mir oft überlegt, wie sich Kinder in Monster verwandeln, wie sie lernen können, das Töten richtig ist und Unterdrückung gerecht, wie sich in einer einzigen Generation die Welt auf ihrer Achse drehen und in einen Ort verwandeln kann, der nicht wiederzuerkennen ist." - Kapitel 22, Seite 141.

Meine Meinung
Als ich den Klappentext zu "Vox" las, wusste ich sofort, dass ich dieses Buch lesen muss. Nur hundert Wörter am Tag sind sehr wenig und ich wollte wissen, wie die Gesellschaft damit umgeht und wie das überhaupt kontrolliert werden sollte.

Christina Dalcher enttäuscht nicht und erzählt mit ihrem packenden Schreibstil die Geschichte von Jean McClellan. Eine Frau, die jede von uns sein könnte. Ihr Leben ist und war nie perfekt, was ich gerade an ihr liebe. Auch ist sie bei Weitem kein Engel, wie man als Leser bald erfährt. Doch genau das machte ihren Charme für mich aus.

Im Kontrast zu Jean steht Jacquie, ihre ehemalige Mitbewohnerin und Freundin. Jacquie ist politisch aktiv und war eine der Anführerin des Protests gegen die 100 Wörter Regel. Sie war diejenige, die etwas tat, während Jean sich um ihren Beruf und ihre Familie kümmerte bis es zu spät war.

Wir erfahren all dies aus Jeans Perspektive während sie ihren neuen Alltag lebt, was mich zum Nachdenken brachte. Bin ich nicht eigentlich auch eine Jean? Die anderen werden den Kampf schon austragen. Damit kommen die eh nicht durch. Aber was wenn doch? "Vox" zeigt deutlich, dass jede Stimme zählt.

Erschreckend war immer wieder der Einblick in wie die Gesellschaft sich verändert hatte, innerhalb kürzester Zeit. Noch schlimmer aber eigentlich, dass all dies nicht mal abwegig sondern schockierend real wirkte. Ich konnte aufgrund des grandiosen Weltenbaus, der sich vor mir entfachte, nicht aufhören zu lesen.

Die eigentlich Handlung des Buches empfand ich als spannend, wenn es mir auch am Ende etwas zu glatt ging und zu actiongeladen war. Auch hätte ich auf den Charakter Lorenzo verzichten können, aber er hat mich aber auch nicht gestört.

Es war faszinierend, wie manche Figuren die neue Ideologie förmlich aufgesogen hatten und daran glaubten, während andere sich geschickt anpassten ohne davon überzeugt zu sein. Dies fügte der Geschichte eine weitere Ebene der Glaubhaftigkeit hinzu.

Insgesamt war "Vox" ein genial ausgeführtes Gedankenexperiment für mich, dass mich noch lange Zeit danach zum Nachdenken gebracht hat. Schwächen sah ich allerdings vor allem im letzten Drittel des Buches. Für mich war der Übergang von der Beobachterseite zum aktiven Part etwas zu holprig und manchmal zu einfach. Da hätte ich mir weniger Action und dafür mehr Hindernisse gewünscht.

Fazit
Lasst uns jetzt lieber alle Jacquies sein, als dass wir zu Jeans werden müssen.

Wertung

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Einen herzlichen Dank an den S.Fischer Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars.

Kommentare :

  1. Antworten
    1. Hallo Franziska,

      unbedingt. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen.

      Liebe Grüße,
      Sarah

      Löschen
  2. Halli hallo

    Ich habe das Buch regelrecht verschlungen, und es hat x Emotionen in mir ausgelöste und total zum nachdenken und diskutieren angeregt. Von daher war ich froh über die Leserunde bei L.B. ;)

    Am Ende ging definitiv alles viel zu glatt, diese Friede, Freude, Eierkuchen- Gedöns war so gar nicht Meins und auch irgendwie völlig unpassend.
    Und mir war zusätzlich alles ein bisschen zu schwarz/ weiss

    Ansonsten habe ich aber erhalten was ich mir von einer Dystopie erhoffe.

    Liebe Grüsse
    Bea

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    Antworten
    1. Hallo Bea,

      kann dir wegen des Endes nur zustimmen. Das war einfach zu glatt. Meinetwegen hätten einige Sachen, da auch noch gerne offen bleiben können.
      Zum Nachdenken regt das Buch allerdings wirklich sehr an. Noch heute hallt es bei mir nach und ich habe das Buch Anfang Juli bereits gelesen.

      Liebe Grüße
      Sarah

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