[Rezension] Grace Cavendish – Giftmord [Lady Grace Mysteries]
Bibliographische Angaben
Titel: Giftmord | Originaltitel: Assassin | Reihe: Lady Grace Mysteries 01 | Autorin: Grace Cavendish | Übersetzung: Sarah Heidelberger | ET: 19. März 2026 (im Original: 28. September 2004) | ISBN: 9783989620032 | Verlag: Knesebeck
Klappentext
Seit dem Tod ihrer Mutter ist Lady Grace die liebste Hofjungfer von Elisabeth I. Doch nun wünscht die Königin, dass Grace sich verlobt. Die Wahl zwischen ihren Verehrern – dem gütigen alten Sir Charles, dem überheblichen Sir Gerald und dem schüchternen Lord Robert – fällt Grace leicht: Sie will keinen von ihnen heiraten! Als Gerald nach dem Ball, bei dem Grace ihre Wahl hätte treffen sollen, tot aufgefunden wird, gerät Lord Robert unter Verdacht. Aber Grace hat bemerkt, dass Sir Charles sich äußerst seltsam verhält – und dass etwas mit der Leiche nicht stimmt. Mit ihren Freunden Ellie, dem Dienstmädchen, und Masou, dem Akrobaten, macht sich Lady Grace auf den Weg, um herauszufinden, was in dieser Nacht wirklich passiert ist.
Zitat
„Jemand hat Sir Gerald einen Dolch in den Rücken gerammt.“
„Wie grauenvoll! […] Er ist so charmant. Und er tanzt so gut! Wird er wieder gesund?“
„Unwahrscheinlich, da er tot ist.“
– Der fünfzehnte Tag des Monats Februar im Jahre des Herrn 1569.
Meine Meinung
Ursprünglich bin ich auf die Lady Grace Mysteries aufmerksam geworden, als BBC und ZDF bekanntgaben, dass sie eine Serienadaption in Auftrag gegeben haben. Während es für Deutschland noch keinen Ausstrahlungstermin gibt, erscheint die Serie bei der BBC ab dem 20. April 2026. Passend dazu übersetzt der Knesebeck die Buchreihe – über 20 Jahre nachdem sie zuerst erschienen ist – nun ins Deutsche.
Die Lady Grace Mysteries richten sich eher an ein jüngeres Publikum. Der Verlag empfiehlt „Giftmord“ offiziell ab 12, wobei ich persönlich es auch schon etwas jüngeren Kindern zutrauen würde. Das Buch ist im Tagebuchstil verfasst und liest sich für mich so als würde Grace Cavendish mir direkt gegenübersitzen und von ihrem Leben am Hofe von Elizabeth I. erzählen. Im ersten Band soll die verwaiste Grace passend zu ihrem dreizehnten Geburtstag verlobt und später dann auch vermählt werden. Hierfür gibt es drei Kandidaten, die alle eher schlecht als recht zu ihr passen. Doch nachdem Grace ihre Wahl bereits getroffen hat, geht das Drama erst richtig los, denn einer ihrer Verehrer wird tot aufgefunden und der Hauptverdächtige ist niemand anderes als ihr Auserwählter. Grace jedoch hat Zweifel und stellt ihre eigenen Ermittlungen an, die sie und ihre Freunde, den Artisten Masou und dem Wäschermädchen Ellie, immer wieder in Schwierigkeiten bringen.
Obwohl ich eigentlich doch um einiges älter als die heute angestrebte Zielgruppe bin, hatte ich einen riesen Spaß beim Lesen des Buchs. Grace hat einen wunderbaren Humor, der einerseits sehr intelligent und andererseits dennoch angemessen kindlich geblieben ist. Auch hat sie Ecken und Kanten, die sie eben nicht zu einer aalglatten und perfekten Protagonistin ohne Fehler machen, was mich selbst mehr als einmal in dem Alter gestört hat, sondern zu einem schlauen Mädchen, welches aber noch viel zu lernen hat. Auch die Erwachsenen verhalten sich wie Erwachsene. Sie verraten Grace nicht alles und wer selbst etwas älter ist, kann zwischen den Zeilen lesen, was sie wirklich wollen und wie Grace Cavendish in ihre Pläne passt. Zugleich spürt man aber auch die Zuneigung, welche zum Beispiel Elizabeth I. ihr gegenüber pflegt, ohne ihr alles ungestraft durchgehen zu lassen.
Die Darstellung des Hofes zu Tudorzeiten empfand ich als äußerst gelungen für eine Kinderbuchreihe. Es wird mehrfach klar gemacht, dass es eine andere Zeit mit anderen Werten und Normen war, aber dennoch es Parallelen zwischen dem Leben der jungen Grace Cavendish und den angestrebten Lesern gibt. Hilfreich sind hierbei auch das Glossar und zusätzlichen Erklärungen am Ende des Buches. Allerdings ist mir hier ein Fehler aufgefallen. Das Haus Guise wird als französische Königsfamilie bezeichnet. Das stimmt allerdings nicht. Zu dieser Zeit waren es die Valois. Die Guises waren eine prominente Herzogsfamilie mit guten Verbindungen. Unter anderem ist die Mutter von Mary Stuart, der Erzrivalin von Elizabeth I, eine geborene Guise. Könige von Frankreich waren sie allerdings nicht.
Viele der weiteren Charaktere sind zwar fiktiv, aber es gibt auch welche, die auf realen Vorbildern basieren. Da ist natürlich Elizabeth I, die wir alles kennen, aber Grace Cavendish teilt sich eine Kammer mit Lady Sarah und Mary Shelton. Während ich Lady Sarah bisher nicht zuordnen konnte und sie sehr wahrscheinlich fiktiv ist, handelt es sich bei ihrer anderen Mitbewohnerin Mary Shelton um eine echte historische Persönlichkeit. Wenn ich mich nicht vertan habe, sollte es sich bei ihr um Mary Scudamore handeln. Mary ist die Enkelin von Anne Shelton, welche wiederum die Schwester von Thomas Boleyn ist, welcher Elizabeths Großvater mütterlicherseits war. Die Geschichte spielt im Februar 1569, wenn Mary etwa 18 oder 19 gewesen sein dürfte, was ziemlich gut zu Graces Beschreibungen von ihr passen würde, und zu diesem Zeitpunkt war Mary auch bereits etwa zwei Jahre bei Hofe. Bei Mrs Champerowne bin ich allerdings etwas verwirrt. Der Anhang sagt, dass es auch sie gegeben habe. Googelt man nach ihr stößt man auf Kat Ashley, die bereits Elizabeths Gouvernante war. Allerdings starb Kat schon 1565 und ist eher unter ihrem Ehenamen Ashley bekannt. Leider ist die Champerowne Familie eher semi-gut dokumentiert auf einfach zugänglichen Seiten. Falls also jemand weiß, wen die Autorin hier gemeint hat, wäre es nett, wenn man es mir verrät.
Die Übersetzung scheint auch mindestens eine Modernisierung im Anhang vorgenommen zu haben. So wird im Kapitel „Die (wahre) Geschichte hinter der Geschichte“ ein Vergleich gezogen, der Taylor Swift erwähnt. Als Swiftie weiß ich, dass Taylor schon lange im Geschäft ist und in diesem Jahr das nach ihr benannte Debütalbum bereits 20 Jahre alt wird. Im Original ist „Assassin„, wie „Giftmord“ im Englischen heißt, bereits 2004 erschienen. Daher frage ich mich, mit wem man dort eigentlich den Vergleich gezogen hat, der oder die heute nicht mehr unbedingt einem jugendlichen Publikum bekannt ist. Eine weitere kleine Kritik habe ich am deutschen Titel. „Giftmord“ ist doch schon ein ziemlicher Spoiler, wenn man ehrlich ist.
Fazit
„Giftmord“ ist ein gelungener Auftakt der „Lady Grace Mysteries“-Reihe, der nicht nur Jugendliche sondern alle Altersgruppen unterhalten kann. Wäre die deutsche Übersetzung zeitnah zum englischen Original erschienen, ich wäre wohl auch bereits als junger Teenager ein großer Fan der Reihe geworden. Ich bin gespannt wie es im zweiten Band „Verrat“ mit Grace und ihren Freunden weitergeht.
Wertung

Einen herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für die Bereitstellung des digitalen Rezensionsexemplars.
Lady Grace Mysteries
- Giftmord
- Verrat (erscheint am 28. Mai 2026)
- Conspiracy
- Deception
- Exile
- Feud
- Gold!
- Haunted
- Intrigue
- Jinx
- Loot


