Das Lied der Sonne von Jennifer Wolf
Allgemein,  Rezensionen

[Rezi] Jennifer Wolf – Das Lied der Sonne

Klappentext

Lanea liebt ihr Leben. Sie genießt es, jeden Morgen mit den Stammesmitgliedern am feinen Sandstrand die Sonne zu begrüßen und mit ihrer besten Freundin, der Häuptlingstochter, unbeschwert zu lachen. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich alles. Der zukünftige Großkönig des Reiches ruft zur Brautschau und Lanea soll als falsche Prinzessin an den Hof reisen. Ein Ort, an dem man ihr nicht nur mit Vorurteilen begegnet, sondern hinter jeder Ecke Intrigen und tödliche Verschwörungen lauern – und mittendrin Prinz Aaren, dessen sanftmütige braune Augen Laneas Herz bei jedem Blick zum Flattern bringen. Doch seine Liebe darf sie nicht für sich gewinnen…

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Zitat

„Vergiss nicht, Bildung ist ein Privileg der Begüterten und Adeligen.“
– Kapitel 3, Seite 48.

Meine Meinung

„Das Lied der Sonne“ habe ich im Rahmen des Romantasy Read Treats vom Carlsen Verlag gelesen. Im Gegensatz zu vielen anderen, hatte ich tatsächlich vorher noch kein anderes Buch von Jennifer Wolf gelesen und war somit in dieser Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt.

Die Protagonistin und Erzählerin von „Das Lied der Sonne“ ist Lanea. Ungewöhnlich für einen Fantasyroman, vor allem für einen deutschen, kommt sie aus einem tropischen Königreich. Wobei Königreich das falsche Wort ist. Vor einigen Jahrzehnten wurde aus einer Monarchie ein Stamm, weshalb Land Palilan wohl besser beschreibt. Palilian liegt am südlichen Ende des Kontinents und Großkönigtums Valean. Es ist von den anderen Königreichen und Fürstentümern durch eine nahezu unüberwindbare Gebirgskette abgeschnitten, weshalb die Palilos und Palilas recht ungestört ihrem Leben nachgehen können. Allerdings nur bis der Großkönig im Sterben liegt und für seinen Erben eine Brautschau veranstaltet, an der die ranghöchste Tochter jedes Landes teilnehmen muss. Doch die wahre Tochter des Stammesoberhauptes ist für die harten Kämpfe bei Hofe nicht gemacht, weshalb man Lanea an ihrer Stelle schickt. Nicht um um den Thron zu kämpfen, sondern um der Pflicht des Erscheinen nachzukommen und möglichst schnell wieder gehen zu können. Aber natürlich kommt alles anders.

Ich hatte anfangs Probleme in die Geschichte zu finden. Jennifer Wolf meint es gut und beschreibt sehr genau, wie die Welt ist, in die sie uns wirft, und wie Lanea sich fühlt. Für mich allerdings hätte es mehr Interpretationsspielräume geben dürfen. Man muss mir als Leserin nicht direkt sagen, wie Lanea sich fühlt, sondern sollte stattdessen ihre Handlungen und Eindrücke für sich sprechen lassen. Dieser stark deskriptive Teil nahm aber mit der Zeit glücklicherweise ab.

Lanea als Protagonistin war recht erfrischend und auch in die heutige Zeit passend. So verleugnet sie niemals ihre Kultur sondern vermittelt diese anderen Interessierten, während sie selbst aber auch sehr offen für die Kulturen anderer ist. Niemals wertet sie diese ab, auch wenn sie nicht unbedingt alles versteht, was diese beinhalten. Zur gleichen Zeit fürchtet sie aber auch darum, dass die mächtigeren nördlicheren Königreiche ihr Land und damit ihre Kultur zerstören könnten, wenn sie die Chance dazu hätten. Generell gefiel mir die Idee gut, dass Laneas Kultur von der hawaiianischen inspiriert zu sein schien. Das hatte ich bisher im deutschen Fantasy- und erst recht im Jugendfantasy-Bereich tatsächlich noch nicht gesehen. Für den englischsprachigen Markt fällt mir spontan auch nur „The Storm Crow“ von Kalyn Josephson ein, welches in einem tropischen Königreich spielt.

Mein absoluter Lieblingsnebencharakter war allerdings Annabelle. Sie ist auch Teil eines lesbischen Paares, obwohl sie eine der heißesten Kandidatinnen auf den Platz als Großkönigin ist. Mir gefiel, dass man sie nicht durchschauen konnte. Ebenfalls gelang es Jennifer Wolf sehr gut, dass Annabelle sowohl though als auch zärtlich wirkte. Ich kann absolut verstehen, warum sie eine der Topkandidatinnen für die Großkönigin ist.

Mit Aaren wurde ich nur langsam warm. Es blieb auch irgendwie mehr bei lauwarm. Ich fand die Analogie mit Lanea als Sonne und Aaren als Dunkelheit gut gemacht, aber manchmal wirkte er mit seinem Pessimus etwas einseitig. Normalerweise sind die pessimistischen und realistischen Charaktere eigentlich immer meine Favoriten, aber zwischen Aaren und mir wollte es nicht ganz Klick machen. Gut gefiel mir an ihm aber definitiv sein Pflichtbewusstsein, trotz allem was er so erlebt hat. Seine Liebesgeschichte mit Lanea kam für mich erst einmal aus dem Nichts. Die weitere Entwicklung jedoch fand ich in Ordnung, da doch etwas Zeit verstreicht und es die ein oder anderen Bedenken gibt.

Ein großer Pluspunkt von „Das Lied der Sonne“ ist, dass man immer wenn man denkt, man hätte die Geschichte jetzt geknackt und man wüsste, was passieren würde, überrascht wird, dass man falsch lag. Als Vielleser und besonders als Fantasy-Vielleser kennt man einfach seine Tropes. Jennifer Wolf hat clever mit diesen gespielt und mich tatsächlich überrascht. Chapeau.

Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, hatte ich aber leider noch ein komisches Bauchgefühl. Die Geschichte konnte mich packen, keine Frage. Für mich jedoch mangelte es an mancher Stelle an Konsequenz. Abgesehen von einer Sache erschien mir nichts permanent. In meinen Augen kann man einem jugendlichen Publikum auch bittersüße Enden zumuten. Gegen Ende hin ging mir leider einfach alles etwas zu glatt und hatte zu wenig schwerwiegende bleibende Konsequenzen. Da das Ende allerdings halboffen ist, würde ich hoffen, dass dies bei einer eventuellen Fortsetzung anders gehandt habt werden würde.

Fazit

„Das Lied der Sonne“ überrascht selbst Fantasyvielleser noch. Leider fehlt es der Geschichte letztendlich etwas an bleibenden Konsequenzen, dennoch fühlte ich mich sehr gut unterhalten.

Wertung

3,5

 

 

 


Einen herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für das Rezensionsexemplar.


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